Peenetal

 

 

 

Das Peenetal zwischen dem Kummerower See im Westen und der Peenemündung im Osten wurde im vorpommerschen Stadium der Weichselvereisung geformt. Die Peene stellte damals eine Schmelzwasserbahn der zurückweichenden Gletscher im Oderhaff- und Ostseebereich dar. Sie floß also damals in westlicher Richtung ab und fraß sich dabei in die früheren Grundmoränenablagerungen ein. Diese Entstehungsgeschichte hatte zur Folge, daß die Talränder über weite Abschnitte durch Geschiebemergel charakterisiert sind, und der Fluß heute ein sehr geringes Gefälle von 24 cm über ca. 100 km Flußlänge aufweist. Die nach dem Wasserspiegelanstieg der Litorinatransgression einsetzende Torfbildung führte zur Entwicklung eines weiträumigen Flußtalniedermoors.

 

Heute ist die diluviale Schmelzwasserrinne mit mächtigen Torfablagerungen angefüllt, die am Ufer der Peene über 9 m betragen können. Sie bestehen von unten nach oben aus Organo- und zum Teil Kalkmudden, schilfreichen Flachmoortorfen (besonders in Flußnähe) und gehen in braunmoosreiche homogene Seggentorfe über, die bis an die Oberfläche reichen. Induziertes Torfwachstum zeichnet dieses Flußtalniedermoor aus, das durch Quellaustritte an den Talrändern (mineralstoffhaltige, besonders kalkreiche Moränenablagerungen) in Gang gehalten wird. Dieses elektrolytreiche Quellwasser durchsickert die Torfschichten samt der torferzeugenden Vegetation bis zum tieferliegenden Vorfluter, der Peene. Der hohe Grundwasserstand in der Flußniederung, die zunehmende Verarmung an Pflanzennährstoffen, insbesondere Phosphaten, durch sofortige Bindung an die überreichlich vorkommenden Kalziumionen, verbunden mit dem herabgesetzten Wärmespeichervermögen der moosreichen Torfe, führten im Laufe von Jahrtausenden zu einer braunmoosreichen Seggenriedvegetation. In Talrandnähe wuchsen die Torfe erheblich über den Meeresspiegel hinaus, es bildeten sich aufgewölbte Quellmoore heraus. Im Bereich des Flusses hingegen, verharrten sie auf dem Niveau des Meeresspiegels. Es bildete sich die charakteristische Talmoorstruktur mit Quellmoorstandorten an den Talrändern, flußwärts anschließenden Durchströmungsmooren und Überflutungsmooren in Flußnähe, heraus. Im Mittel- und Oberlauf ist das Peenetal vorwiegend als Durchströmungsmoor anzusprechen. Im Unterlauf gehen diese in großflächige Überflutungsmoore bzw. Küstenüberflutungsmoore über.

 

Im Vergleich zu anderen Flußtälern kommt im Peenetal, bedingt durch das geringe Gefälle, ein Überstauungseffekt des Flusses hinzu. Je nach Wetterlage kommt es durch die Verbindung zur Ostsee zu wechselnden Wasserständen der Peene. Deshalb weist das Peenetalmoor in der Regel auch höhere Grundwasserstände auf, die direkt mit den Großwetterlagen (Windrichtung, Niederschläge) an der Küste verknüpft sind.

 

Heute stellt die Peene einen der letzten unverbauten Flüsse Deutschlands dar und ist zugleich eines der größten noch zusammenhängenden Niedermoorgebiete Europas. Eingedenk dieser Tatsachen und entsprechend der besonderen naturräumlichen Ausstattung wurde dem Peenetal schon seit langem große Aufmerksamkeit seitens des Naturschutzes gewidmet. Heute reihen sich entlang des Flusses eine ganze Anzahl von NSG bzw. einstweilig gesicherten Gebieten perlschnurartig aneinander.

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